Die Diätetik oder Ernährungslehre ist so alt wie die Menschheit. Allerdings verstanden unsere Vorfahren unter dem Begriff Diät nicht wie viele Menschen heute nur das Kalorienzählen, sondern sie verstanden Diät als komplexe Lehre des Lebens. Das ist schon aus der ursprünglichen Bedeutung des lateinischen Wortes diaita: „geregelte Lebensweise“ zu erkennen.
In der Antike wurde das Zusammenspiel von Licht und Luft, Essen und Trinken, Arbeit und Ruhe, Schlafen und Wachen, die körperlichen Ausscheidungen und die Gemütszustände als Einheit betrachtet und bei einer Diät berücksichtigt. Die berühmten Ärzte des Altertums wie zum Beispiel Hippokrates oder Galen beschrieben in ihren Werken schon Diäten und ihre Wirkung auf verschiedene Krankheiten und Leiden.
Im Mittelalter kam zu der philosophischen Betrachtung der Diäten noch eine religiöse Betrachtungsweise dazu. Schon in der Bibel fanden sich Anweisungen, wie sich die Menschen nach Gottes Willen ernähren sollten. Diese Anweisungen wurden durch die christlichen Mönche und Nonnen weiterverbreitet. Es gab zahllose Vorschriften darüber, was und zu welchen Zeiten gegessen und getrunken werden sollte, wann gefastet werden sollte und dergleichen. Aber es wurden auch schon Nahrungsmittel auf ihre Bekömmlichkeit und Wirkungsweise untersucht und gezielt eingesetzt. Ein gutes Beispiel ist Hildegard von Bingen, eine der beeindruckensten Frauen des deutschen Mittelalters. Sie beschäftigte sich unter anderem mit ganzheitlicher Medizin und die fünf Säulen der Hildegard-Medizin, nämlich Heilmittel und Ausleitungsverfahren. Ernährung, Regeneration des Körpers und seelische Reinigung sind heute bei Diäten noch so aktuell wie damals.
In der Neuzeit entwickelte sich die Diätetik zu einer technisch- naturwissenschaftlichen Therapieform innerhalb der Medizin. Wissenschaftliche Methoden der Nährwert-
und Kalorienbestimmung traten immer mehr in den Vordergrund und die ganzheitliche Betrachtungsweise verlor an Bedeutung. Es ist an der Zeit, diese ganzheitliche Herangehensweise wieder zu fördern und neben Essen und Trinken auch die physischen, seelischen und sozialen Bedürfnisse des Menschen bei der Diätetik zu berücksichtigen.