Mit 29 Jahren ist Dragisa Pejovic für einen Defensivspieler im besten Profifußballer-Alter. Doch der Serbe musste seinen einstigen Traumjob quittieren. Nicht etwa, weil ihn ein Kreuzbandriss zum Karrierende gezwungen hätte oder er nicht mehr gut genug war. Dragisa Pejovic hat seinen Beruf aufgeben müssen, weil er es nicht mehr ausgehalten hat, regelmäßig geschlagen, bedroht und erpresst zu werden. Vom eigenen Klub, dem serbischen Erstligisten FC Borac Cacak.
Anlässlich der Vorstellung des Black Book Eastern Europe - das Schwarzbuch des osteuropäischen Fußballs – erzählte Dragisa Pejovic in der vergangenen Woche in Brüssel seine Geschichte. Die internationale Spielergewerkschaft FIFPro stellte vor Vertretern des Europäischen Parlaments und der Europäischen Kommission ihren erschreckenden Report vor. «Im vergangenen Jahr wurde ich von einem Klubboss vor versammelter Mannschaft körperlich angegriffen, als ich fragte, wann wir unser Gehalt bekämen», berichtet der schmale Mann mit den dunklen Augen.
«Sie haben mir gedroht, mir beide Arme und Beine zu brechen»
Er spricht von Rassismus gegen farbige Teamkollegen, erzwungenen Spielmanipulationen und Erpressungen. «Ich wurde erpresst und misshandelt, als ich Angebote bekam, ins Ausland zu gehen. Mir wurde nicht erlaubt zu gehen, weil einige Personen im Klub Geld von mir verlangten», berichtet der Serbe.
Auch Spielabsprachen zur Wettmanipulation seien von seinem Klub geduldet worden, sagt Pejovic. «Ich habe manipulierte Partien gespielt, nicht weil ich wollte, sondern weil ich musste. Ich wurde von unserem Management dazu gezwungen.» Auch mit Androhung von körperlicher Gewalt: «Einige Male wurde mir gedroht, dass mir beide Arme und Beine gebrochen würden, wenn ich nicht tun würde, was sie von mir verlangten.»
Pejovic spielt heute bei dem unterklassigen Amateurklub FC Novi Pazar. «Ich bin froh, dass ich nicht länger in einer professionellen Liga spiele, trotz der Tatsache, dass ich einmal einer der besten Verteidiger in Serbien war. «Fußball in Serbien ist voller Kriminalität und Krimineller und ich kann mich weder damit abfinden noch dagegen allein ankämpfen.»
Basierend auf Erfahrungsberichten wie denen von Dragisa Pejovic hat FIFPro in Zusammenarbeit mit den Spielergewerkschaften der osteuropäischen Nationen einen umfassenden Report über Gewalt und Diskriminierung im osteuropäischen Fußball angefertigt. Über 3300 Spieler antworteten auf die Fragebögen der Task Force. In der Textstrecke finden Sie die wichtigsten Ergebnisse der Studie:
Vor allem in Kasachstan, Montenegro, Griechenland, aber auch Tschechien und Russland sind die Zustände für Profikicker, die hierzulande ein sorgenfreies Leben führen, unwürdig. «Professioneller Fußball in Osteuropa kämpft gegen einen erschreckenden Mangel an Respekt für die Rechte der Profispieler», heißt es in der Studie.
Für Hunderte Fußballer in Osteuropa habe sich ihr Traum, im Fußball Karriere zu machen, in einen Albtraum verwandelt. «Sie bekommen ihre Gehälter nicht, sie sind physisch und psychisch bedroht und müssen auf der Hut sein, nicht in die Hände von Kriminellen zu fallen.» Ein Richter in Kroatien verglich die Situation eines Spielers mit der eines Sklaven.
Und wenn Anschuldigungen wie die von Dragisa Pejovic öffentlich werden, dann schlagen die dunklen Fußballmächte zurück. Aufgrund der Aussagen in Brüssel hat der serbische Fußbvallverband (FSS) strafrechtliche Ermittlungen gegen den Störenfried eingeleitet. Der Verband erwartet Beweise für Pejovics Anschuldigungen; die Disziplinarkommission des Verbandes leitete einen Prozess gegen Pejovic ein. Es ist nicht leicht, aus dem kriminellen Sumpf zu entkommen – trotz der Unterstützung der Spielergewerkschaft und des Europäischen Parlaments.
Quelle:
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Sport Nachrichten –
Schwarzbuch Osteuropa – Die Schattenwelt des Fußballs
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