Das ist also das Fußball-Sommerloch: In einem Interview mit der Bild fordert der DFB-Ehrenpräsident Gerhard Mayer-Vorfelder die Spieler der Nationalmannschaft auf, die Nationalhymne mitzusingen. Notfalls mit einer Hymnenpflicht.
«Der Bundestrainer muss die Singpflicht durchsetzen. Notfalls in einem Vier-Augen-Gespräch. Er sagt immer, er könne sie nicht zwingen. Ich sage aber: Klar kann man die Spieler zwingen», sagt der 79-Jährige in dem Gespräch.
Schon vor einigen Wochen, direkt nach dem Ausscheiden der Nationalmannschaft aus der EM 2012, hatte es die Diskussion gegeben, weil CDU-Politiker solch eine Pflicht forderten. Und auch Fußballikone Franz Beckenbauer hatte sich dafür ausgesprochen. Er habe in seiner Zeit als Trainer diese Regel eingeführt – und sei damit 1990 auch Weltmeister geworden. Dass er den Titel holte, das ist unbestritten. Ob allein die Hymne den nötigen Teamgeist heraufbeschwor – das ist allerdings streitbar.
Plötzlich nur «ein halber Deutscher»
Mayer-Vorfelder fordert in dem Gespräch, Spieler, die nicht mitsingen würden, aus der Mannschaft zu verbannen. Den Einwand, einige würden aus Respekt vor dem Heimatland ihrer Eltern die Hymne nicht anstimmen, wischt er beiseite: «Das glaubt doch kein Mensch, dass Khedira nicht mitsingt, weil er so einen großen Respekt vor Tunesien hat. Der Migrationshintergrund ist für mich keine ausreichende Begründung, stumm zu bleiben.» Er könne nicht für die Auswahl auflaufen, alle Vorteile des Landes nutzen und dann so tun, als er sei er «nur ein halber Deutscher». Was genau ein «halber Deutscher» ist, das erläutert der 79-Jährige in dem Interview nicht.
Der DFB-Ehrenpräsident fiel auch zu seiner Zeit als Funktionär immer wieder durch nationalistische Aussagen auf, war nicht unumstritten. So soll er gesagt haben: «Wenn beim Spiel Bayern gegen Cottbus nur zwei Germanen in den Anfangsformationen stehen, kann irgendetwas nicht stimmen.»
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Zu wenig Elan? – Mayer-Vorfelder will den Hymnenzwang
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