style1 style2 style3
Search Currentgame

Sport

«Warum sollte Schalke nicht Meister werden?»

By  Last updated: 24th September 2012

Herr Thon, Schalke gegen Bayern: Wer hat Sie an den ersten Spieltagen mehr überzeugt?

Olaf Thon: Bayern ist genau wie Schalke super aus den Blöcken gekommen. Die Münchner haben zwar alle stark erwartet, aber es ist doch erstaunlich, dass es dort schon wieder so rund läuft. Wobei ich in der Champions League gegen Valencia schon wieder einen kleinen Rückschritt erkannt habe. Da muss man den Gegner mal mit zwei, drei Toren nach Hause schicken – haben sie nicht geschafft. Aber bei Bayern stimmt schon vieles: Martinez im Mittelfeld, ein wiedererstarkter Schweinsteiger, Mandzukic gefällt mir sehr gut im Sturm.

Und Schalke?

Thon: Schalke hat mich mehr überrascht als Bayern, auch wegen der Art und Weise, wie sie die bisherigen Partien gewonnen haben und auch beim Remis in Hannover eine Klasse besser waren. In der Champions League haben sie den positiven Trend bestätigt. Unterm Strich war das ein phänomenaler Start von Schalke und ein sehr guter vom FC Bayern. Das lässt hoffen auf ein absolutes Spitzenspiel (15.30 Uhr/Sky und im news.de-Liveticker).

Welches Ergebnis tippen Sie?

Thon: Ich glaube, es wird keinen Sieger geben. Das geht 1:1 aus, auch wenn ich lieber ein 6:6 sehen würde. Aber vielleicht gibt es auch eine Überraschung. Horst Heldt (Schalkes Manager, Anm.d.Red.) hat gesagt, dass Schalke mutiger spielen müsse, als in den vergangenen Jahren. Vielleicht ist das der Schlüssel zum Sieg: Dass es Schalke schafft, nicht wie das Kaninchen vor der Schlange aufzutreten, sondern überzeugt von seinen Stärken. Als Schalke das letzte Mal unter Huub Stevens in der Liga gegen Bayern gewonnen hat, gab es ein 5:1 …

Hatten Sie vermutet, dass sich Schalke nach dem Abgang von Raul schwerer tun würde?

Thon: Sportlich war klar, dass Schalke den Abschied von Raul kompensieren kann, aber mir war nicht klar, dass sie von Anfang an so homogen spielen, dass die jungen Spieler wie Julian Draxler und Lewis Holtby Tore erzielen und spielentscheidend sind für ihre Mannschaft. Beide harmonieren perfekt mit Farfan, Huntelaar und dem Super-Einkauf Afellay. Auch Jermaine Jones bekommt sich im defensiven Mittelfeld immer mehr in den Griff. Er könnte zu einem Führungsspieler reifen, Huub Stevens hat öfter mit ihm gesprochen, um einen Leader auf dem Platz aufzubauen, den Schalke 04 unbedingt braucht.

Sie haben selbst unter Huub Stevens gespielt. Wie bereitet er seine Mannschaft auf ein solches Topspiel vor?

Thon: In so einem Spiel sagt er immer: flach spielen und hoch gewinnen.

Und das genügt?

Thon: Sie wissen ja: Gegen Bayern braucht man nicht viel sagen. Man braucht nur Struktur und Ordnung und den Glauben an die eigene Stärke. Huub Stevens weiß, wie man Bayern schlagen kann. Schalke muss sein Heil irgendwo zwischen einer gefestigten Defensive und der starken Offensive suchen.

Wie erleben Sie Huub Stevens in seiner zweiten Amtszeit auf Schalke?

Thon: Er hat es geschafft, eine gewisse Lockerheit an den Tag zu legen, ohne von seinen Idealen abzuweichen. Im Umgang mit der Öffentlichkeit ist er wesentlich relaxter und professioneller geworden; das macht es für ihn deutlich leichter, auf Schalke zu arbeiten. Man braucht als Trainer eine klare Linie und die hat Huub Stevens.

Für den FC Bayern ist das Spiel ebenfalls der erste richtige Gradmesser der Saison.

Thon: Die Bayern wissen auch, dass es schwer wird auf Schalke. Das ist ein Sechs-Punkte-Spiel im Kampf um die Deutsche Meisterschaft. Aber wenn sie die Meisterschaft mal wieder holen wollen, müssen sie hier punkten. Vielleicht ist der wunde Punkt die Bayern-Abwehr, wo sie sich noch einspielen müssen. Möglicherweise ist das der entscheidende Vorteil für Schalke, dass sie eine eingespielte Truppe haben und der FC Bayern sich erst finden muss.

Glauben Sie tatsächlich, dass Schalke im Kampf um die Deutsche Meisterschaft eingreifen kann?

Thon: Die starken Auswärtsauftritte haben mir gezeigt, dass diese Schalker Mannschaft durchaus den Titel holen kann. Dann müssten allerdings Bayern und Dortmund ein wenig schwächeln. Schalke ist auf Augenhöhe, was die momentane Leistungsfähigkeit betrifft. Natürlich hat Bayern die größeren Namen, aber durch die tolle Truppe, die Schalke gerade hat, lässt sich vieles ausgleichen. Warum soll Schalke nach gefühlten hundert Jahren nicht mal wieder Deutscher Meister werden? Die ersten Spiele zeigen einen Trend in diese Richtung. Eigentlich darf man aber gar nicht von der Meisterschaft sprechen, sondern man muss es dann einfach werden – so wie es Dortmund zuletzt gemacht hat.

Manuel Neuer wurde im vergangenen Jahr unschön auf Schalke empfangen. Wissen Sie, ob die Fans in diesem Jahr mehr Respekt zeigen?

Thon: Ich weiß nicht, was die Fans vorbereitet haben. Ich hoffe, dass sie in diesem Jahr eine ironische, positive Art anschlagen und Manuel Neuer neutral empfangen wird. Hoffentlich geht es nicht unter die Gürtellinie, denn er hatte eine tolle Zeit auf Schalke und wir sollten alle froh sein, dass ein solcher Welttorhüter auf Schalke groß geworden ist.

Bei unserem letzten Gespräch haben Sie gesagt, dass Schalkes Erzrivale Dortmund Ihre Meinung nach in dieser Saison die Champions League gewinnt. Glauben Sie das noch?

Thon: Naja, das erste Spiel haben sie ja schon mal gewonnen. Wer zweimal hintereinander Meister wird, dazu Pokalsieger, dem ist alles zuzutrauen. Aber ich tippe aktuell eher auf Bayern als Champions-League-Sieger, Schalke wird Deutscher Meister und der BVB kann von mir aus den Rest gewinnen.

Olaf Thon absolvierte 1984 sein erstes Bundesligaspiel für den FC Schalke 04. Im Sommer 1988 wechselte der langjährige Nationalspieler zum FC Bayern München, mit dem er dreimal Deutscher Meister wurde. 1994 kehrte Thon, der wegen seiner dozierenden Art zu sprechen den Beinamen «Professor» trug, zurück zum FC Schalke. Mit den «Königsblauen» holte Thon den Uefa-Pokal, gewann zweimal den DFB-Pokal und wurde 2001 Meister der Herzen. Mit der Nationalmannschaft holte Thon 1990 den WM-Titel. Nach seiner aktiven Laufbahn war er bis 2008 Aufsichtsratsmitglied des FC Schalke und arbeitete danach im Marketing-Bereich für seinen Heimatklub. Nach der Trennung 2009 trainierte er bis 2011 den fünftklassigen Klub VfB Hüls.

Sind Sie schon Fan von news.de auf Facebook? Hier finden Sie brandheiße News, tolle Gewinnspiele und den direkten Draht zur Redaktion.

Quelle:
News -
Sport News -
Schalke – Bayern – «Warum sollte Schalke nicht Meister werden?»


Related Links:  ,




Related articles

Bild